Mein Jahr auf der Isla del Sol

Ab dem 08.08.2013 werde ich für ein Jahr nach Bolivien fliegen.
Ich gehe mit der Organisation Volunta, die mit dem DRK zusammen arbeitet, und das entwicklungspolitische Programm Weltwärts auf die Beine stellt.
Meine Aufgabe wird es hauptsächlich sein, den Kindern auf der Isla del Sol Englisch bei zu bringen und Projekte zur Mittagsbetreuung und Müllentsorgung zu starten oder weiter zu führen.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Tränen und ein Lama für gute Ernte

Schools Out !


 Ich glaube, dass ich das schon im letzten Blog Eintrag geschrieben habe, aber : Ich habe Ferien! 
Bis Anfang Februar bleibt die Schule geschlossen.
Dafür kann ich jetzt aber so einiges von der Schule erzählen. Erstmal will ich euch aber mal das Gelände zeigen:




Tiere, die dem Menschen nützlich sind.
 Die letzten Wochen vor den Ferien werden immer die Abschluss-Klausuren  geschrieben. Das war auch alles ein ziemlichliches Chaos, deshalb konnte ich auch mit meiner Sechsten keine Klausur schreiben. Was im endeffekt gar nicht so schlecht war, da ich nur drei Stunden Unterricht mit ihnen hatte.
Zu den Klausuren in jedem Fach, kommt noch eine "Expoferia", eine Art Austellung von dem, was die Kinder so gelernt haben. 
Das Sonnensystem
Von dem Sonnensystem, über Ökosysteme, Landwirtschaft, Literatur und Mathematik, bis hin zu Geschlechtskrankheiten. Also alles vertreten. Diese Austellungen und Vorführungen
werden dann von den Direktoren und 
Elternsprechern bewertet.
Ich durfte mit meiner Dritten auch etwas austellen zum Thema "Conjugacion de los Verbos". Dadurch, dass man mir einen Tag davor bescheid gesagt hat und auch keine Erklärung geben konnte, was man von den Schulern erwartet, war es eher ein Griff ins Klo.


Unser Direktor beim bewerten

Luis Hector, ein wahrhafter Bengel










Alans Vortrag 

 
 

Ok,  ich habe gerade gelogen. Nicht in allen Fächern wird eine Klausur geschrieben.
In Sport und Musik wird ein extra Tag angesetzt, an dem Leibesübungen, Tänze, Basketball und einiges anderes Vorgeführt wird.
So wird den Elternsprechern gedankt
Zu dem Ende eines Schuljahres gehören natürlich auch Abschlüsse. Die, die die sechste Klasse der Primaria bestanden haben, gehen in die Secundaria. Die Sechstklässler der Secundaria gehen von der Schule.
Bei der sogenannten "Promoción" der Primaria wurden die besten Schüler gekührt, die neuen Elternvertreter ernannt und die alten geehrt. Alles in allem eher langweilig.


Meine Kollegen und Ich













Die Promoción der Secundaria war um einiges spannender, aber das erzähle ich euch ein anderes mal ;)

St. Pedro - Heute schlachten wir ein Lama

Wie ihr ja schon mitbekommen habt gibt es hier viele und noch viel mehr Fiestas. Dieses mal werde ich euch von zwei weiteren berichten, wobei die eine mehr ein Ritual war.
An St. Pedro wird traditionell, wie immer, bei jedem Fest,  gegessen, getanzt und getrunken! 
Das sieht dann in etwa so aus:

 


 














Bei dem Fest geht es darum, der Pachamama zu huldigen, und ihr Opfer dazubringen. In diesem Fall ein Lama.
Dieses Opfer soll dazu beitragen, dass die Ernte gut wird.

Am Anfang gabe es wie immer Essen etc. Nachdem genug getanzt und getrunken wurde, war es an der Zeit das Lama zu schmücken. Mit Blumen, Fahnen, bunten Bändern usw. 
Bolivianer sind an sich ein gemütliches Volk und vor allem auf der Insel. Aber wenn es darum geht auf Berge zu steigen, dann sind sie ganz und gar nicht gemütlich. Der Hügel auf dem der erste Part der Zeremonie stattgefunden hat, war vielleicht nicht gut genug. Auf jeden Fall ging es dann weiter hoch um auf der anderen Seite wieder runter zu gehen.
Diese Prozession aus  vorwiegen angetrunkenen, rosa gekleideten Menschen und einem Lama, war schon ganz schön interessant anzusehen.


Meine große Liebe Luis Hector
An dem Strand angekommen ( an dem übrigens auch "Inicio de Siembra" [man siehe meinen vorherigen Eintrag] gefeiert wurde, wo ein getrockneter Lama-Fötus vergraben wurde. Ich persönlich vermute ja einen Zusammenhang ) wurde dann noch von den Autoridades getanzt und das Lama hatte sichtlich keinen Bock mehr, hinter ihnen her zu laufen. Vielleicht hat es ja auch schon was geahnt.
So nach 15 Minuten im Kreis herum drehen und Fahnen schwängen haben sich dann noch ganz viele, super stolz, mit dem Lama fotografieren lassen und dann wurde es auch schon zu einem Loch geführt, an dem ihm dann die Kehle aufgeschnitten wurde.
In dem Loch wurde das Blut aufgefangen. Danach hat man das Herz rausgeschnitten und dazu gelegt. Es folgten Gedärme, Kopf, Beine ( also alles was man vom Tier nicht verwenden kann ). Außerdem wurden in das Loch noch andere Gaben wie Brot und Bier getan. Das Bier wurde spektakulär, wie bei der Formel 1, in der Gegend herum gespritzt. 
Die ganze Zeremonie war schon echt spannend, aber anscheinend nicht nur für uns, denn bei der Opferung standen mindestens 30 Kinder und Jugendliche um das Lama herrum und haben alles ganz genau verfolgt und gefilmt.
Ich meine sogar einige Leute gesehen zu haben, die extra für dieses Fest angereist waren.

Ein Lama Herz

Gi-Ga-Gedärme

 Jetzt geht's den Hühnern an den Kragen

Dazu kann ich jetzt nicht viel sagen. Wie ich, glaube ich, in einen meiner ersten Einträge erzählt habe, sind Nelson und Sol im besitz zweier junger Kücken. Nun ja, waren. Erstmal sind die Kücken groß geworden, haben sich als zwei Hähne endpuppt, den Comedor mehrmals vollgeschissen und sich gegenseitig immer gekäbbelt. Dann wurden sie zum tode verurteilt.
Das ging ziemlich ratz fatz. Die Mutter von Nelson ist gekommen, hat das Messer gezückt, Kehle auf, Blut raus. Sie wurden dann mit heißem Wasser übergossen, gerupft und ausgeweidet ( das Wort hört sich gerade sehr hart an, aber sagt man das nicht dazu !? ).
Viel mehr war dann da auch nicht dran. Ein Teil wurde zu einer Suppe verkocht, ein Teil gebraten. So ganz frei laufende Hühner sind ganz schön zäh muss ich sagen.





Hoch soll sie leben...

...und das tue ich ja auch. Zwischen 3810 und 4075 Metern befinde ich mich hier dauerhaft.
Wie es der Zufall wollte, war an meinem Geburtstag wieder eine Fiesta. Diesmal um Heiligen zu huldigen. Also ab auf den Berg. Diesmal aber nicht ganz nach oben hinaus. Bevor wir das aber taten, wurde ich in eine Cholita Tracht gesteckt (Cholitas werden hier die indigenen Frauen genannt). 
Und um noch einen drauf zu setzte, habe ich mit Nelsons Mama getanzt. Wenn ich mal Zeit und besseres Internet habe, dann lade ich ein Video davon hoch. Wenn nicht, dann müsst ihr euch noch ca. 7 Monate gedulden.
Was ich aber auch noch zu meinem Geburtstag sagen muss: ich hatte noch nie einen so warmen Geburtstag !

Noemi (Nelsons Nichte) und Ich
Nelsons Mama und Ich




















Rezar por lluvia - Regen für die Ernte

Zu einer guten Ernte gehört Wasser. Wie zu so vielen anderen Dingen auch. 
Damit dieser Lebenswichtige Regen auch wirklich kommt beten die Leute der Isla um Regen.
Dieses Ritual ist ein Mix aus der ursprünglichen Religion und dem katholischen Christentum.
Die ganze Zeremonie besteht aus dem um Vergebung bitten. Bei den Göttern und bei den Mitmenschen. Dazu wird jedem Anwesenden die Hand geschüttelt, vor den Frauen kniet man sich hin, da sie auch knien. Man bittet um vergebung, dein Gegenüber erwiedert : Die Götter verzeihen dir.
Nachdem dieser Teil beendet wurde beginnt sich die ganze Menge zu bewegen. Ach ich vergaß ganz zu erwähnen, dass diese Fiesta wieder ganz oben auf dem Berg stattfindet.
Also bewegen sich alle in einem Pulk hinter dem Schamanen oder Priester und einer auserwählten Schar von Kinder her. Diese Kinder fasten den ganzen Tag. Auch eine Art den Göttern zu zeigen, dass man es ernst meint mit der Bitte um Vergebung.
An bestimmten Stellen bleibt der Trupp dann stehen und wieder wird sich hingekniet -auch hier knien vorwiegend die Frauen- und man betet und bittet wieder um Vergebung und um Wasser. Dieser Teil hat mich am meisten berührt und mitgerissen. Vor allem die älteren Menschen haben plötzlich angefangen zu weinen. Einige leise für sich, andere laut, herzzerreißend und schluchtzend. Da hat man ganz deutlich gesehen, dass für die meisten Menschen aus Challa, ihre Ernte ihr einziges Einkommen ist.

Für den Regen werden alle Konflikte verziehen.



Und in der Zwischenzeit:

Falls ihr euch das schon gefragt habt: Nein, wir machen nicht nur Fiesta. Manchmal haben wir auch Spaß.
Die nächsten Bilder sind einfach mal ein paar Eindrücke aus unserer Freizeit und sind in den letzten 4 Monaten entstanden. 
Außerdem zeige ich euch noch ein bisschen was von den Naturgewalten hier. Denn die ist wirklich gewalltig! Wer mich kennt, wird wissen, dass ich Gewitter echt gerne habe. Das tue ich hier auch, dazu kommt aber noch eine gehörige Portion Respekt. Denn so Gewitter wie hier, gibt es in Deutschland nicht!
Das hier sind Gewitter,
 - bei denen man Nachts wach liegt.
 - bei denen es so doll regnet, dass das Wasser vor unserer Tür soweit ansteigt, dass es ins Zimmer läuft ( so ca. 10 cm)
 - bei denen die Blitze so hell sind, dass man meint, mit geschlossenen Augen zu erblinden.
 - bei denen die Donner so laut sind, dass die Fenster vibrieren und man hofft, dass sie nicht platze.
Vielleicht klingt das übertrieben, aber man muss es einmal selber erlebt haben. Unglaublich!

Nein, kein Schnee. Hagel.

Dead Moon Night



Pauline, Ich, Lisa - Kachimayu

Jessi, Ich, Romina, Leon - La Paz

Auch ohne Bart fahr ich auf Kaperfahrt

Mir gehts hier gut


Bastelstunde


Pauline, Agnes, Ich - Sucre






Sooo nun zum Abschluss noch, wie versprochen, Bagira und der Link zu unserem ersten Video von der Isla.

Einen großen Applaus für Leon Löwenherz und seine Filmcrew.



Kommentare:

  1. Wow was für ein toller Bericht :-)
    Das arme Lama... naja war ja vielleicht ein älteres Tier !?!?!?!
    Ich glaub ihr seit mittlerweile Bergsteiger hihihihi
    Es sieht auf jeden Fall so aus, als hättet ihr richtig viel Spaß!!!!
    Wann sieht man euch mal beim arbeiten???? ;-)
    Alles Liebe
    Tine
    PS: Wir vermissen dich...

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  2. Liebste Tochter, danke für den tollen Bericht und die wunderbaren Bilder. Wir erzählen uns immer, wenn es etwas Neues von Euch gibt, die anderen blogs wereen auch gerne gelesen. es ist ein wunderbarer Fortsetzungsroman und wir können etwas von der Welt schnuppern. danke dafür,
    auch an Romina, Jessi und Leon von Andrea

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