Mein Jahr auf der Isla del Sol

Ab dem 08.08.2013 werde ich für ein Jahr nach Bolivien fliegen.
Ich gehe mit der Organisation Volunta, die mit dem DRK zusammen arbeitet, und das entwicklungspolitische Programm Weltwärts auf die Beine stellt.
Meine Aufgabe wird es hauptsächlich sein, den Kindern auf der Isla del Sol Englisch bei zu bringen und Projekte zur Mittagsbetreuung und Müllentsorgung zu starten oder weiter zu führen.

Freitag, 24. Januar 2014

Reise, Reise, Seemann reise

Nein, ich bin nicht an oder aufs Meer gefahren, Bolivien hat ja gar keinen Meereszugang, auch wenn man den Titicacasee als Meer bezeichnen darf. Trotzdem besitzt Bolivien eine Mariene. Wie kommt es zu dieser, doch etwas seltsamen Begebenheit ?
Also vor - Weltgeschichtlich gesehen- nicht all zu langer Zeit (um 1875 herum) hatte Bolivien tatsächlich einen Zugang zum Meer. Bis 1879 der Salpeterkrieg ausbrach. Ich will euch hier nicht mit Geschichte langweilen, aber im großen und ganzen ging es um Vogelscheiße (ok, das stimmt so nicht, es ging natürlich auch um Territorium und Machtbezeugnisse etc.pp.. Vogelscheiße hört sich aber um einiges lustiger und interessanter an.)
Durch riesige Kolonien von Pelikanen, die an der chilenischen Küste über Jahre hinweg ihre Hinterlassenschaften fallen gelassen hatten, fand man dort ein unglaubliches Vorkommen von Nitrat (Salpeter), ein Wertvoller Stoff  zur Herstellung von Dünger und Sprengstoff.
Durch einen Bruch eines Vertrages mit Chile, was die Salpeterproduktion und die territorialen Anrechte anging, begann der Krieg zwischen den beiden Ländern, in dem Bolivien schlussendlich seinen Zugang zum Meer einbüßen musste.  
(Um mehr über diesen Krieg zu erfahren, drückt einfach auf das Wort "Salpeterkrieg")

Seither ist das Verhältnis zwischen Chile und Bolivien sehr angespannt. Es bestehen keine diplomatischen Beziehungen, sie befinden sich auch nicht in einem formellen Friedenszustand.
Sympatien bringen sich beide Ländern kaum entgegen.
Dadurch, dass Chile, von amerikanischer Seite aus, militärisch sehr gut ausgerüstet ist, lässt einige Gerüchte aufkommen.  So habe ich bei uns auf dem Boot nach Copacabana letztens einen, für mich etwas komischen, sehr ketzerischen Artikel gelesen, in dem gesagt wurde, dass Chile nur darauf warten würde, Bolivien noch mehr Territorium weg zu nehmen und nur aus diesem einen Grund aufrüsten würde und, natürlich, dass man sich so früh wie möglich dagegen wehren müsste.
Man muss dazu sagen, dass es keine offizielle Zeitung war, sondern eher ein Flugblatt. Trotzdem ist dieser Geist in beiden Völkern vorhanden.
Ich bin gespannt wie die Klage Boliviens, in dem ein Zugang zu Meer eingeklagt werden soll, ausgeht.

 So, das war es jetzt erstmal von der geschichtlich/politischen Seite. Ich habe aber beschlossen, immer mehr davon in meinem Blog einfließen zu lassen, wer hat denn schon schließlich Ahnung von Bolivien!?


( Direkt die zweite Frage, nur mal so zur Demonstration.)

So, nun aber genug mit der Schlaumeierei, ich war ja schließlich wirklich ein bisschen unterwegs!

La Paz 

Mir ist aufgefallen, dass ich noch nie wirklich viel über La Paz berichtet habe, das ist fatal, schließlich ist es der höchste Regierungssitz er Welt, wenn auch nicht die Hauptstadt.
Einmal kurz überschlagen ist La Paz groß, laut, dreckig und voll mit Autos. Aber es gibt auch wirklich schöne Gegenden.
Es ist wohl eine der wenigen Städten in der die ärmste Bevölkerung oben und die reichste Bevölkerung unten wohnt. Da La Paz in einem Krater gebaut ist und auf dieser Höhe, jeder Meter einen Unterschied in der Wärme hervorruft, ist das eigentlich auch schon ganz leicht erklärt.
Hier wohl am auffälligsten ist, dass man nicht so angestarrt wird, wie in anderen Städten Boliviens. Hier gibt es auch so schon sehr viele Gringos und La Paz ist wirklich eine Großstadt wie sie im Buche steht.
Besonders eindrucksvoll finde ich auch den deutlichen unterschied zwischen arm und reich! Je mehr man ins Zentrum läuft, desto weniger indigene Bevölkerung sieht man, und auch die Bettler sind ausschließlich Cholitas mit ihren Kindern.
Überall, vor allem in dem ärmsten Gebiet "El Alto" spricht man von "El cambio" ( Die Veränderung), den Evo Morales dem indigenen Volk verspricht - man muss dazu auch sagen, dass sich schon vieles gebessert und verändert hat-, aber im großen und ganzen sind noch riesige Lücken zwischen arm und reich, indigen und nicht indigen. Meiner Meinung nach liegt das vor allem an der fehlenden Bildung für die indigene und arme Bevölkerung.
Immer wieder sieht man auch Plakate, auf denen für ein Rassismus freies Bolivien geworben wird, aber schaut man bolivianisches Fernsehen so sieht man nur nicht indigene Moderatoren. Bis auf einen einzigen indigenen Kanal, den es noch nicht so lange gibt und der hauptsächlich Evo Morales zeigt, wie er etwas neues Einweiht.

Aber ich muss auch sagen, La Paz ist eine der eindrucksvollsten Städte in der ich je war! 

 
 Stiller Protest für eine große Sache:
"In Bolivien verkaufen sie Kinder für 60 Bolivianos   (ca.6, 30 € ). Schluss mit dem Menschenhandel"
 Ein kleiner Überblick über einen kleinen Teil von La Paz.
Dieser Teil wird auf den Touri-Karten immer als riesiger Grünstreifen dargestellt. Daran sieht man ein bisschen, wie bebaut und karg La Paz doch eigentlich ist.
Und, nur so zur Information, alles was man an Bergen um La Paz drumherum sieht ist bebaut!
Und danach geht es mit El Alto weiter. Immer wieder atemberaubend zu sehen











Nach La Paz waren Julian und ich dann zusammen auf der Isla und weil ich ja noch kein einziges Bild von er Isla gepostet hab, tu ich das jetzt einfach mal:




























Todesstraße

Das Highlight unseres Urlaubs war eindeutig die berühmt, berüchtigte Deathroad.
Von La Paz nach Coroico. Von 4633 m über dem Meeresspiegel, auf 1700 m über dem Meeresspiegel. 70 km Strecke mit Abgründen von bis zu 1 km.
Es lohnt sich!!
Die Straße heißt übrigens so, weil 1999 acht Israelis in einem Jeep gestorben sind. Und das sind nicht die einzigen, die auf dieser Straße ihr leben gelassen haben. Dadurch, dass diese Strecke bis vor kurzem die Hauptverkehrsstrecke zwischen den tropischen Yungas und La Paz war, gab es viele und noch viel mehr tötliche Auto- und Fahrradunfälle. 
Wir haben es überlebt.











Über La Paz




























Und zum Schluss: ein Witz

"Eine Mutter steht mit ihrem Sohn an der Straße und wartet auf den Bus. Sie fragt ihn: ' Wie alt bist du?', er antwortet: ' Fünf.' 'Gut, wenn du gleich in den Bus steigst und du gefragt wirst, dann sagst du vier'.
Als der Bus dann kommt fragt der Busfahrer: ' Na mein kleiner, wie alt bist du denn ?'
Der Junge antwortet: ' Vier.' 
'Und wann wirst du fünf? '
'Wenn ich aus den Bus aussteige!'"

Badumtzz........
Ja, das war nicht ganz so lustig. Wirklich unlustig finde ich aber an dem ganzen, dass mir ein kleiner Junge diesen Witz erzählt hat, als mein Bus Abends in El Alto eine kleine Pause gemacht hat.
Der Junge hat natürlich so gebettelt und er war auch nicht älter als vier oder fünf Jahre.
Und das ist keine Seltenheit.

Kommentare:

  1. Julia Müller aka. La vache que rit

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  2. Wieder mal ein toller Bericht mit eindrucksvollen Bildern :-)
    Da war die Zugfahrt von Bad Freienwalde nach Hause nicht so langweilig...
    Du solltest ein Buch schreiben!
    Alles Liebe Süße
    Tine

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