Mein Jahr auf der Isla del Sol

Ab dem 08.08.2013 werde ich für ein Jahr nach Bolivien fliegen.
Ich gehe mit der Organisation Volunta, die mit dem DRK zusammen arbeitet, und das entwicklungspolitische Programm Weltwärts auf die Beine stellt.
Meine Aufgabe wird es hauptsächlich sein, den Kindern auf der Isla del Sol Englisch bei zu bringen und Projekte zur Mittagsbetreuung und Müllentsorgung zu starten oder weiter zu führen.

Samstag, 15. März 2014

"Carnevales" und warum man sich nie mit "dem Ältestenrat" anlegen sollte

Erster Schultag - jaja, von wegen



Nach dem Ferienmonaten Dezember und Januar sollte am 03.02.2014 dann die Schule wieder anfangen.
Da ich in Bolivien bin und ich nach mehr als der Hälfte meines Aufenthalts so halbwegs weiß, wie man hier so tickt, machte ich mir nicht allzu viel Hoffnungen. Das war auch gut so.
An besagtem Montag waren alle Lehrer da - das hat mich schon stark beeindruckt - aber natürlich kein einziger Schüler. Schlimm war das aber ganz sicher nicht, Unterricht war eh nicht geplant. Stattdessen wurden neue Lehrer willkommen geheißen und eine Art kleine Zeremonie abgehalten. Alles hoch offiziell.
Jeder Lehrer, erst der Primaria (Grundschule) dann der Secundaria (Weiterführende Schule), wurde namentlich aufgerufen und alle stellten sich in einer Reihe vor dem Direktor auf. Dann wurde geschworen, dass man das Jahr über seinen Pflichten nachkommt, sein Möglichstes gibt um seine Arbeit gut zu machen und so weiter und so fort. Das wurde noch von einem Kuss auf das mit den Fingern geformte Kreutz gekrönt.
Ich wurde natürlich erst mal als Señor (Herr) Lovis Louisa Drosten aufgerufen – ich glaube dieser „Makel“ meines Namens wird mich ewig verfolgen. Aber ich LIEBE meinen Namen! –
Süß fand ich nur daran, dass der Direktor wirklich, nach ca. 5 Monaten, anscheinend nicht wusste, dass ein Junge und ein Mädchen in seiner Schule unterrichten.
Nun gut, es war auch gut, dass er selber nicht schwören musste, dass er seinen Pflichten nachkommen würde, denn wenn jemand unzuverlässig war, dann wohl der Direktor.
Das haben dann auch die Elternvertreter gemerkt.
Durch einen Streit um einen Lehrer, der seinen Einsatzort, ohne die Obersten des Dorfes zu fragen, gewechselt hatte, kam auch der Unmut über die beiden Direktoren sehr ausdrücklich zum Vorschein.

Nach einer weiteren Woche ohne Schule, fing dann am 10.02.2014 die Schule doch mehr oder weniger an. Ca. 50% der Schüler nahm an dem Tag auch beim Acto Civico teil.
Hier kam das erste mal der Streit zwischen Direktor und dem  „ Junto de los Padres“ (Elternvertreter) auf.
 Nach zwei Tagen mit langen Unterredungen hatten dann beide Schulen keinen Direktor mehr und wir auch keinen Mathematik Lehrer. Die Direktoren waren dermaßen in Unmut gefallen, dass sie nach dem Entschluss sofort und unverzüglich die Insel verlassen mussten.
Daraus lernen wir: leg dich nicht mit einer Comunidad in Bolivien an. Denn am Schluss hat sie immer recht und auch wirklich das Recht (seit Evo Morales)  ihre Meinung durchzusetzten.
Ja, da standen wir also. Ohne Mathe-Lehrer, ohne Direktor und ohne Studenplan ( Hier fängt das neue Schuljahr auch mit Jahresbeginn an). Aber auf wundersame Weise klappte ohne den alten Direktor alles viel besser. Ziemlich schnell hatte die Lehrerschaft einen Vertreter gewählt und der Stundenplan stand auch innerhalb von zwei Wochen. Dazu muss man sagen: der letzte Stundenplan stand erst irgendwann im März. Also Fortschritt, Fortschritt!
Allmählich kam wieder Alltag in die Schule. Die Schüler erschienen wieder fast vollzählig und wir konnten unseren Unterricht wieder aufnehmen. Ich muss wirklich sagen, die letzten Wochen Unterricht waren wirklich gut!

Zur Schule oder, besser gesagt, zur Bildung will ich dann auch noch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.
An einem Tag hatte ich deutsche Englischbücher mit in der Schule. Viele von euch kennen sie wahrscheinlich. Greenline etc. hatten viele von uns auch in der Schule.
In der Pause saß ich mit ein paar Schülern von mir draußen und sie haben sich aufmerksam die Bücher angeguckt. Da fragt mich ein Junge, warum denn da so gelbe Punkte auf dem Boden des Fotos wären. Da musste ich erst mal stutzen.
Eine kurze Beschreibung des Bildes: Eine Schule in England vor der viele Kinder stehen. Das Wetter ist eher schlecht, es ist eindeutig Herbst.
Und die gelben Punkte oder Flecken auf dem Boden waren Laub! Auf der Isla gibt es ausschließlich Immergrüne Bäume. Da die meisten Kinder auch kaum weiter als La Paz kommen, und hier in der Hochebene auch kaum andere Bäume gibt, kannten sie natürlich kein Laub.

Ein anderes Mädchen – fairer weise muss man sagen, dass sie vielleicht sieben oder acht Jahre alt ist -  hat mich vor ein paar Tagen gefragt, ob meine Oma denn auch nur Aymara spricht. Die meisten älteren Leute auf der Insel können fast nur oder ausschließlich die indigene Sprache Aymara sprechen.
Als ich ihr sagte, dass sie keine Aymara sprechen könne, hat sie gefragt, was sie denn spricht.
Deutsch war meine Antwort. Danach fragte sie mich, was ich denn spreche und nachdem ich ihr gesagt habe, dass ich „Aleman, Ingles y Español“ spreche – also Deutsch, Englisch und Spanisch – fragte sie mich, was denn „Español“ sei. Immer wieder vergesse ich, dass man hier Castellano sagt, um sich denke ich auch von den Spaniern ab zu grenzen.
Nun gut. In so Situationen merke ich immer wieder, wie klein der Horizont der meisten Leute hier ist und ich denke, dass eine Aufgabe von uns auch ist, dass zu ändern.  Und ich glaube auch, dass wir alleine durch unsere Anwesenheit dazu beitragen.

Carnevales - Alaaf und Alalaw

Wie quasi überall auf der Welt wurde auch hier Karneval gefeiert.
Man kann aber schon sagen, dass es wenig mit dem uns bekanntem Karneval zu tun hat. Zwar gibt es auch Umzüge, aber es werden keine Kamellen geschmissen und auch fast nur getanzt. Verkleidet wird sich auch, aber hauptsächlich werden Trachten getragen. Außerdem wird überall mit Wasser um sich geschmissen.
Auf der Isla selber werden keine Umzüge veranstaltet, dafür wird bei dem Wasser nicht gespart!
Um den Karneval auch gebürtig zu feiern, haben die Lehrer die zwei offiziellen Feiertage in eine ganze Woche gewandelt, so war dann Freitag der 28.02. wieder mal ein „letzter“ Schultag und alle waren mit Flaschen und Wasserbomben bewaffnet.
Natürlich hieß es dann mit Freuden: Alle gegen die Voluntarier! Nach nicht mal einer Stunde war ich von Oben bis Unten komplett durchnässt! Zum Abschluss wurden wir drei Mädels dann auch noch mal schön in den See geschmissen.Das war nicht besonders warm, sondern eher wirklich kalt. Oder auf Aymara : ALALAW !


Manche von euch werden wohl schon vom Karneval in Oruro gehört haben. Das ist der anscheinend zweit größte Karneval in Südamerika, nach Rio de Janeiro. Ich persönlich bin nicht hin gefahren, da mir das alles etwas stressig war und ich lieber auf der Insel feiern wollte. Im Endeffekt war das möglicherweise auch wirklich die bessere Entscheidung, denn es gab einen Unfall mit einer Brücke, die auf den Zug stürzte, bei dem mindestens Vier Menschen gestorben sind. Die Freiwilligen, die ich kenne und mit denen ich da gewesen wäre, waren nur ein paar hundert Metern davon entfernt.

Aber trauriges bei Seite. Ich war wie gesagt auf der Insel und es wurde „Challa“ gefeiert. Ja genau, so heißt auch das Dorf in dem ich Wohne. Übersetzt heißt das ‚Sand‘, aber vor allem ‚segnen‘ oder ‚der Segen‘. Dieses Fest ist so zu sagen der Geburtstag aller Häuser und Boote. Aber auch Wassertanks werden geehrt.
Hierzu werden die Häuser geschmückt, mit Bier und Cola bespritz, mit Süßigkeiten beworfen, es wird Essen und Alkohol in ihrer Nähe vergraben.
Man sagt, dass Häuser leben und deshalb auch Hunger haben. Man ehrt sie, da sie einem ein Dach über dem Kopf geben.






Am darauffolgenden Wochenende wurde dann auch Karneval auf der Insel gefeiert. Tänzer, Musiker und Bier, Bier, Bier.
Wir haben uns natürlich die Gelegenheit nicht nehmen lassen und haben uns als Tänzer angemeldet und in unseren Trachten „Chuta“ getanzt. Ich denke, dass die Bilder Beschreibung genug sind.




Typische Chuta-Trachten





Ja, da ist jemand ganz glücklich neben mir  - aber hey, er hat gefragt!

man achte auf die Berge im Hintergrund....


















Kommentare:

  1. Ich hoffe wirklich du kannst dein Kostüm mitnehmen! Besonders der Hut ist echt de Knaller ;-) ich freu mich schon drauf!!!
    Lass es dir gut gehen :-)
    Liebe Grüße
    Tine

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    1. Wenn du mir einen zweiten Koffer und Übergepäck bezahlst, dann ganz sicher :D
      Aber ich werde mein bestes tun :)
      Liebe Grüße zurück!

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  2. Hallo Lovis, immer wieder schön deine ausführlichen Berichte zu lesen und die tollen farbenfrohen Bilder zu sehen. Vielen Dank. Lass es dir gut gehen. Wir denken an dich. Mit lieben Grüße aus Kempen, Anne :-)

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  3. Hola Line, ey für den 2. Koffer habe ich den Hut auf, da kommt keine Tante der Welt dran. Stolze Grüße aus Wuppertal, dein Vater.

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